Die High-Tech-Industrie

Seit vielen Jahren schon wird EDI in der High-Tech-Industrie eingesetzt. Die Wertekette im High-Tech-Bereich ist mit vielen High-Tech-Unternehmen, die von externen Partnern in Bezug auf Entwurf und Herstellung ihrer Produkte abhängig sind, sehr komplex geworden. Aufgrund der Konstitution der High-Tech-Industrie bestand hier noch mehr der Wunsch, Geschäftstransaktionen elektronisch auszutauschen.

Die High-Tech-Industrie ist sehr kundenorientiert, was bedeutete, dass sich die Supply Chains im High-Tech-Bereich flexibel an die sich verändernden Kundenanforderungen anpassen müssen. Es bestand auch zunehmend eine Nachfrage für die Einführung eines Vendor Managed Inventory Systems, um sicherzustellen, dass Einzelhändler über die richtige Bestandsmenge verfügen, um z. B. neue Produkteinführungen oder saisonale Schwankungen bei der Kundennachfrage berücksichtigen zu können. Aus diesem Grunde ist die Darstellung des Bestands in den Einzelhandelsnetzwerken und Multimodell-Logistiknetzwerken wichtig für sowohl die High-Tech-Unternehmen als auch für die Handelspartner.

Wie auch viele Unternehmen in der Automobilindustrie haben viele High-Tech-Unternehmen ihren Betrieb globalisiert, um von niedrigpreisigen Lieferanten auf aufsteigenden Märkten weltweit profitieren zu können. Das bedeutete, dass die Produktionsunternehmen im High-Tech-Bereich sicherstellen mussten, dass sie ihren Handel elektronisch mit Lieferanten überall auf der Welt und auch mit solchen, die nur über begrenzte IKT-Möglichkeiten verfügen, betreiben können. Die Bereitstellung einfach zu verwendender, schnell einzusetzender und einfach zu wartender EDI-Tools ist für High-Tech-Unternehmen immens wichtig.

Struktur der Supply Chain

Die High-Tech-Industrie verfügt über die komplexeste Supply Chain-Struktur aller Branchen. Wo die Automobilindustrie eine abgestufte und recht logische Struktur hat, ist die Struktur der High-Tech-Industrie eher im Vergleich dazu eine Matrix-Struktur. Die Branche verlässt sich auf den Einsatz vieler outgesourcter Designberatungs- und Vertragshersteller, auch als Electronics Manufacturing Service-Unternehmen bekannt. Um eine Idee dahingehend zu entwickeln, wie weit verbreitet die Herstellungsindustrie innerhalb der High-Tech-Industrie mittlerweile ist: Cisco, einer der weltweit führenden Anbieter für netzwerkbasierte Lösungen stellt kein einziges eigenes Gerät mehr her. Sämtliche Produkte von Cisco werden von externen Vertragspartnern gefertigt. So kann man also sagen, dass Cisco zu einem ‚Marken-Integrator’ wurde, der für Entwurf und Marketing der eigenen Produkte zuständig ist, bei dem aber die tatsächliche Herstellung der Waren von externen EMS-Providern erfolgt. Dieses Modell ist bei vielen High-Tech-Unternehmen gängig und nun gehört auch eine der weltweit führenden High-Tech-Verbrauchermarken – Apple – dazu.

Um zu erklären, wie die Supply Chain im High-Tech-Bereich aufgebaut ist, zeigt das folgende Schaubild die Hauptakteure in der Supply und in der Demand Chain. Nur auf der Supply-Seite befinden sich die Fabless-Halbleiterhersteller. Diese Unternehmen entwerfen normalerweise die Halbleiterchips, outsourcen dann aber die Herstellung der Chips an einen spezialisierten Chip-Hersteller wie z. B. Global Foundries, der wiederum sein Material von den Rohstoffanbietern bezieht. Nachdem die Chips oder andere elektronische Bestandteile hergestellt wurden, werden sie an mehrere strategisch basierte Verteil-Hubs verteilt, so dass diese die Komponenten an den EMS oder an Vertragshersteller je nach Bedarf versenden können. In der Zwischenzeit arbeiten auf der Nachfrageseite die OEMs wie z. B. Dell, HP und Cisco partnerschaftlich mit zahlreichen Vertragsherstellern wie Celestica, Flextronics und Jabil zusammen. Diese Vertragshersteller sind für den Entwurf des gesamten Produktes zuständig, auf dem der OEM einfach nur noch das eigene Logo anbringt oder sie bauen mehrere Subsysteme, die letztendlich zum Endprodukt führen. Für einen OEM ist es nicht ungewöhnlich, mit mehreren verschiedenen Vertragsherstellern zusammenzuarbeiten, um ein Produkt herzustellen.

Nach der Herstellung dieser Produkte werden diese über spezielle High-Tech-Vertriebspartner wie Avnet and Arrow an die Lager- und Vertriebseinrichtungen des OEM versendet, bevor sie schließlich an die Einzelhändler oder Wiederverkäufer ausgegeben werden. Das Schaubild unten zeigt den Inventar- und Informationsfluss innerhalb der High-Tech-Wertekette.

/images/industry-ht-oagi.gif” alt=”OAGi” width=”102″ height=”55″ hspace=”15″ border=”0″ />

Industrieverbände

In den letzten paar Jahren wurde die High-Tech-Industrie von mehreren Industrieverbänden bedient. EDIFICE ist der führende High-Tech-Industrieverband in Europa und dort wird die Entwicklung der B2B-Standards und Arbeitspraktiken nun seit fast fünfundzwanzig Jahren unterstützt. Dieser spezielle Verband hält vier Plenarssitzungen pro Jahr an verschiedenen Standorten in Europa ab und jedes Mitgliedsunternehmen hat die Möglichkeit, eine Plenarssitzung zu sponsern. Führende High-Tech-Unternehmen wie Microsoft, ST Micros, Cisco, Sun Microsystems und Motorola sind allesamt Mitglieder von EDIFICE. Die Annäherung von Supply Chains in der Automobil- und High-Tech-Industrie hat zur Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen der Odette-Organisation der Autombilindustrie und EDIFICE geführt. Man hofft, dass diese neue Partnerschaft die Entwicklung neuer B2B Standards in beiden Industrien unterstützen wird.

Nach dem Erfolg von EDIFICE wurde eine Schwesterorganisation etabliert, um den Bedarf der High-Tech-Unternehmen im Fernen Osten zu unterstützen. AsiaB2B wurde 2009 gegründet und hat denselben Zweck wie EDIFICE in Europa, nämlich die Entwicklung neuer optimaler Verfahren für den Austausch von B2B-Dokumenten unter High-Tech-Unternehmen im Asien-Pazifik-Raum.

In Nordamerika ist eine der aktivsten Industrieverbände für die High-Tech-Industrie die Computer Technology Industry Association COMPTIA.

EDI-Experten »