Der Einzelhandel

Wenn ein Industriebereich die EDI-Übernahme herbeigesehnt hat, war das der Einzelhandel. Er war an vorderster Stelle beim Einsatz von EDI, um Effizient voranzutreiben und um eine schlanke Organisation aufzubauen. Seit über 30 Jahren werden in diesem Bereich papierbasierte Prozesse durch elektronische Dokumente ersetzt. Die Umfrage von GS1 in der Lebensmittelbranche in UK hat gezeigt, dass 87% der Organisationen EDI-basierte Bestellungen und 84% EDI-basierte Rechnungen einsetzen, um somit über 650 Millionen £ jedes Jahr einzusparen.

Die Untersuchung ergab auch, dass 81% der Unternehmen immer noch eine Art papierbasierten Prozess im Rahmen ihrer Bestellungs-, Rechnungs- und Lieferscheinabwicklung einsetzen. Das zeigt, dass es immer noch ein großes Potential für EDI gibt, um noch mehr den Einzelhandel zu beliefern. Eine Tatsache, die auch vielen Einzelhandelsmanagern nicht entgangen ist, die gesehen haben, dass EDI bei der Schaffung von Wettbewerbswerten für die eigenen Organisationen zentral ist.

Mit den Anfängen von Walmart und Proctor & Gamble in den frühen 80er Jahren wurde Vendor Managed Inventory (VMI) die antreibende Kraft für die Branche, um Kosten zu sparen und gleichzeitig den Kundenservice zu verbessern. Der Produktfluss in der Supply Chain ist das Kernkonzept beim ‚Quick Response’ Ansatz der Lebensmittelindustrie.

Beim VMI trifft der Lieferant die wesentlichen Entscheidungen hinsichtlich der Bestandsauffüllung für die Verbraucherorganisation. Das Ergebnis ist die viel größere Kontrolle des Bestands, was zu weniger Abfällen oder Überbelieferungen führt und der Auffüllungszyklus bewegt sich dann oft von monatlich auf wöchentlich oder täglich und der Kundendienst nimmt zu. Das ist insbesondere für die Verkaufsförderung wichtig, wo eine verstärkte Nachfrage die Möglichkeit des Lieferanten beim Bestandsabbau mehr belastet.

Weitere Schlüsselrollen der EDI im Einzelhandel sind die Straffung von Direct Store Delivery (DSD) Verfahren und die Ausrichtung hin zur Global Data Synchronisation. Aus diesem Grunde hat Datamonitor angebracht, dass sich der VAN-Einsatz zwischen 2003 und 2005 verdoppelt habe. Der Antrieb war hier ein Browser-to-Portal (oder Web EDI) und Point-to-Point Technologien wie AS2.

Struktur der Supply Chain

Die Supply Chain im Einzelhandel hat eine einmalige Struktur, weil der Antrieb hier der Produktfluss in der Supply Chain ist. Der sich schnell bewegende Verkauf, die akzentuierte Bedeutung von Verfügbarkeit sowie die Komplexität beim Management ungewisser Nachfrageniveaus werden weiter aufgrund der verderblichen Eigenschaften vieler Waren, welche die Supply Chain durchlaufen, verstärkt.

Sämtliche Ineffizienzen der Supply Chain werden zu Bestellungsverzögerungen aufgebauscht oder Ungenauigkeiten führen nicht nur zu Verzögerungen in der Supply Chain – wie in anderen Industrien. Dies hat hier direkte Auswirkung auf die Fähigkeit des Einzelhändlers, Geschäfte auszuführen und dem Kunden einen Servicelevel anzubieten.

Der Einzelhandel automatisierte mit als erstes die Bestellungen und Rehnungen. Und seit neuestem war es der Kampf der Einzelhändler, verstärkte Lieferhäufigkeiten und erhöhte SKU-Zahlen von Direct Store Delivery (DSD) Lieferanten unterzubringen. Wird EDI zur Automatisierung des DSD-Prozesses eingesetzt, können die Verstopfung an der Hintertür des Einzelhändlers entlastet und die Check-in-Zeiten reduziert werden.

Schlüssel sind hier bei allem Advanced Shipping Notes (ASN). Laut einer Untersuchung der Lebensmittelhersteller in den USA werden durch elektronische ASNs Annahmezeiten drastisch um bis zu 60% verringert. Wenn nur bei einem Viertel der Lieferungen automatisierte ASNs verwendet werden, kann ein Unternehmen mit 250 Geschäften 65.000 Annahmestunden jedes Jahr einsparen. ASN kann sicherstellen, dass jeder Schritt der Supply Chain vollständig über den Status der Waren informiert ist und die Waren können im Palletenbereich wie auf Industrieniveau geprüft werden.

Damit dieser Prozess jedoch erfolgreich ist, muss es eine effektive Global Data Synchronisation (GDS) innerhalb der Supply Chain geben. Die Lieferanten müssen in der Lage sein, eine komplett angepasste Bestandsdatei auf Artikelebene zu führen, um den Austausch der Artikelinformationen, Autorisierung, Kosten, Preis und Werbeinformationen zu erleichtern. Mit GDS können Einzelhändler bequem Diskrepanzen, nicht genehmigte Artikel, die geliefert wurden und Unterschiede zwischen Bestellungen und Lieferungen feststellen.

Das Ergebnis ist, dass die Einzelhändler bessere vorrätige Positionen haben und das Probleme und Fehler rasch korrigiert werden – oft schon früh im Supply Chain-Prozess wie z. B. beim versendenden Vertriebszentrum.

Dokumentenstandards

Es gibt zahlreiche EDI-Haupt-Dokumentenstandards, die im Einzelhandel zum Einsatz kommen:

  • Tradacoms
    Tradacoms war ein sehr früher EDI-Standard, der intensiv im Einzelhandel in UK übernommen wurde. Mit der Einführung 1982 war der Standard 1995 effektiv veraltet, als er mit EDIFACT EANCOM ersetzt wurde. Zu diesem Standard gab es keine weiteren Entwicklungen mehr. Leider vergaß dabei jemand, den Einzelhandel darüber zu informieren und die große Masse des Einzelhandel-EDI-Verkehrs setzt immer noch Tradacoms ein.
  • Voluntary Inter-industry Commerce Solutions (VICS) Vereinigung
    Die VICS-Vereinigung arbeitet an der Effizienz- und Effektivitätssteigerung in der Supply Chain des Einzelhandels. VICS war Vorreiter bei der Implementierung des ‚Quick Response’ (QR) Standards zur Vereinfachung des Produkt- und Informationsflusses für Einzelhändler und Lieferanten. VICS EDI ist für die Wartung der VICS Standards einschließlich des Collaborative, Planning, Forecasting and Replenishment (CPFR) Standards der Supply Chain verantwortlich.
  • eCOM
    Eine Standardgruppe für allgemeine Standards in der Supply Chain, die gut auf den Einzelhandel zugeschnitten sind. Die große Mehrzahl der heute eingesetzten eCOM-Standards basiert auf EDI. Es entwickelt sich mittlerweile aber auch eine neue Generation der XML eCOM-Standards, obwohl die Marktannahme nur minimal ist.

Industrieverbände

Es gibt zahlreiche Industrievereinigungen, die den Einsatz von EDI im Einzelhandel mitgestalten wollen.

  • GS1
    Aufgabe der Organisation ist das Management der globalen Implementierung des OPC-Barcodes und Organisationsstandards haben sich über den Barcode hinaus entwickelt, um auch andere Bereiche der Supply Chain einschließlich EDI-Nachrichtendefinitionen, Radio Frequency Identification (RFID) und Produktdatensynchronisation mit einzubeziehen.
  • Global Data synchronisation Network (GDSN)
    GSDN ermöglicht die sichere und kontinuierliche Datensynchronisation von Produkt- und Standortinformationen. Einzelhändler und Lieferanten verbinden sich mit einem ausgewählten Datenpool, das von einem GS1-Mitglied verwaltet wird, und das sich mit dem GS1 Global Registry verbindet. Die Lieferanten übertragen die Produktdaten und Standortinformationen an den Datenpool. Die Einzelhändler beziehen nur die Informationen, die sie brauchen.
  • Global Standards Management Process (GSMP)
    Ein Forum, bei dem GS1 Standards von GS1 und den Mitgliedern – v. a. Einzelhandelsunternehmen – definiert und gewartet werden. GSMP definiert die Anforderungen und optimalen Verfahren vor der Etablierung von Industriestandards zur Unterstützung des elektronischen Handels und der Datensynchronisation.
  • Global Commerce Initiative (GCI)
    GCI ist eine globale Benutzergruppe von Herstellern, Einzelhändlern und Serviceprovidern. Sie stellte die Geschäftsregeln für ein global standardisiertes Modell, das Global Product Classification (GPC) Modell, auf. Das Modell führt zu einer Verbesserung der Supply Chain-Leistung zwischen Herstellern und Einzelhändlern durch die freiwillige Übernahme von Industriestandards für die Produktgruppenidentifizierung.
  • Association for Retail Technology Standards (ARTS)
    ARTS ist ein Standardgremium speziell für den Einzelhandel. Wo sich der GS1 Standard auf B2B Standards konzentriert, konzentriert sich ARTS auf Application-to-Application (A2A) Standards einschließlich der Retail Data Model, Unified Point of Service, IXRetail und IXRetail XML Standards. UnifiedPOS wendet sich an den Bedarf des Datenaustauschs zwischen Verkaufsort-Geräten und Backend-Systemen.

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